Dummy
Was ist Dummyarbeit?

 

Zunächst einmal: Dummytraining ist weit mehr als ein Säckchen durch die Luft werfen und den Hund danach rennen lassen. Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Ausflug in die Dummy-Geschichte.

Dummytraining wurde in Großbritannien erfunden. Nicht verwunderlich eigentlich, denn die Jagd hat auf den britischen Inseln traditionell viele Anhänger und ist weit verbreitet. Doch standen die Jäger bei der Ausbildung ihrer Jagdhunde vor einem Problem: Womit sollten sie ihre Hunde außerhalb der Jagdsaison beschäftigen um ihren Leistungsstand auf einem kontinuierlichen Level zu erhalten? Ein weiteres Problem: Die Ausbildung von jungen, unerfahrenen Hunden. Sie direkt mit Wild auszubilden, ist aus jagdethischen Gründen eigentlich nicht vertretbar. Waidgerechtes Arbeiten ist nur mit einem schon ausgebildeten Hund möglich.

Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts kamen die britischen Waidmänner dann auf die Idee, Leinensäckchen zu füllen und als Wildersatz für das Training zu nehmen – der erste Dummy (= engl. Attrappe) war erfunden. Dadurch konnten nun bereits sehr junge Hunde an die Arbeit herangeführt werden.


Field Trial Springer Spaniel "Shipcount Bliss Bramble" von Cordula Wojahn-Willascheck
(www.fieldtrial-spaniel.de)

Inzwischen hat sich die Dummyarbeit weit verbreitet und ist längst nicht mehr nur ein Hobby der Jägerschaft. Im Gegenteil: Sie hat sich quasi als eigener Hundesport mitsamt Prüfungen, Workingtests und Meisterschaften etabliert. Die Aufgaben in den Prüfungen und Workingtests sind weiterhin sehr stark an den Anforderungen in der jagdlichen Praxis orientiert. Es werden verschiedenste Situationen simuliert, die bei einer Jagd vorkommen können - nur eben gänzlich unblutig mit Dummys statt echtem Wild. Es fallen Schüsse, Dummys "fliegen" durch die Luft, die Hunde müssen sich mehrere Fallstellen merken, bei Verlorensuchen ihre feine Nase einsetzen und sich beim Einweisen von ihrem Hundeführer per Handzeichen und Pfiff in verschiedene Richtungen zur Suche schicken lassen - die Bandbreite der Aufgaben ist sehr groß.

Der besondere Reiz der Dummyarbeit liegt für mich persönlich vor allem darin, dass zwischen Hund und Hundeführer eine große Vertrauensbasis vorhanden sein muss, um erfolgreich zu arbeiten. Der Hund arbeitet auf große Entfernungen, muss einerseits viel selbständiges Arbeiten zeigen, andererseits aber immer durch den Hundeführer ansprechbar und lenkbar sein. Darüber hinaus gibt es beim Dummytraining einfach eine schier unerschöpfliche Bandbreite an Aufgaben. Auch wenn der Grundstein in den sogn. "drei Apporten" liegt (Markierung, Einweisen, Verlorensuche) so gibt es unendlich viele Variations- und Kombinationsmöglichkeiten. Es bleibt also immer spannend und abwechslungsreich.

Spaniels und andere Hunderassen beim Dummytraining
Noch ein Wort zur Eignung oder Nicht-Eignung bestimmter Rassen. Klassischerweise ist die Dummyarbeit eine Beschäftigung von Retrievern. Diese Hunde sind absolute Spezialisten wenn es ums Apportieren geht. In Deutschland wird Dummytraining fast ausschließlich in den Trainingsgruppen der Retrieverclubs (Deutscher Retriever Club, Golden Retriever Club) angeboten. Von einigen wenigen Hundeschulen mal abgesehen gibt es für Nicht-Retriever nur sehr eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten. Das bedeutet aber nicht, dass andere Hunderassen für die Dummyarbeit nicht geeignet sind!

Die meisten, früher klassisch als Jagdhunde verwendeten Rassen, werden heute als Familienhunde gehalten. Ob nun Spaniels und Setter oder die heute so beliebten Magyar Vizslas und Weimaraner - sie alle teilen inzwischen eher Bett und Couch mit ihren Menschen als noch im Wald ihrer ursprünglichen Arbeit nachzugehen. Und nicht wenige sind als Familienhund manchmal unterfordert... Dummytraining bietet eine prima Möglichkeit diese Hunde artgerecht, d.h. gemäß ihrer natürlichen Anlagen, zu beschäftigen. Denn die Arbeit mit den kleinen Säckchen liegt den meisten Jagdhunderassen näher als die modernen, "künstlichen" Hundesportarten wie Agility, Obedience, Flyball & Co.


Working Springer bei der Arbeit. Die Fotos enstanden bei einem Springer-Training in Wales.
Die Fotografin ist Kerstin Mark. Herzlichen Dank :-)

In Großbritannien wird Dummyarbeit nicht nur von Retrievern sondern auch von Spaniels betrieben. Verwendet werden hier hauptsächlich Hunde aus den sogenannten Field Trial Linien, also Working Springer und Working Cocker Spaniels. In eigenen "Field Trials" werden diese Hunde geprüft. Field Trial Winners (FTW) oder Field Trial Champions (FTCH) werden dann bevorzugt zur Weiterzucht eingesetzt.

In Deutschland hingegen gibt es nur sehr sehr wenige "Nicht-Retriever" die Dummyarbeit ernsthaft, d.h. mit Teilnahme an entsprechenden Prüfungen, betreiben. Mit einem Spaniel oder anderen Jagdhund ist man hierzulande in jedem Fall "ein bunter Hund" im Dummybereich. Noch ein Wort zu den Prüfungen: Möchte man an offiziellen Prüfungen der Retrieverclubs teilnehmen, so benötigt man in Deutschland einen Hund mit FCI-Papieren. Für Mischlinge und Hunde ohne Papiere gibt es allenfalls "Fun-Workingtests" ohne offizielle Bewertung.

Ausstattung
Es gibt heute eine riesige Auswahl an Dummys im Handel. Hier mal zur Veranschaulichung unser eigenes Arsenal an Trainingsmaterial:

von links:
3 "Pocket"-Dummys 100 g, in grün und orange
4 "Welpen"-Dummys 250 g in oliv, orange und grün
2 Working-Dummys 500 g (sind weicher als die Standard-Dummys)
2 Standard-Dummys präpariert fürs Markier-Training: der eine mit weißem Stoff (Socke)
und der andere mit "Streamer" (schwarz-weißes Flatterband)
ganz rechts ein orangener Wasser-Dummy.
Unten: Futterdummys (wobei ich diese eigentlich nicht für Dummyarbeit nutze, sondern z.B. beim Agilitytraining verwende)