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Die
German Classics in Hockenheim - bereits zum zweiten Mal haben Chi und
ich uns für diese tolle und wirklich hochkarätige Agility-Veranstaltung
qualifiziert.
Im ersten Jahr war die Qualifikation für uns gar kein Problem, ich
hatte bereits im Mai die Qualis zusammen. In diesem Jahr war es anders:
Aufgrund unser Zonenprobleme und vieler vieler "Zwangs-Dis"
klappte es erst "auf den letzten Drücker" mit der Quali.
Daher war die Freude über unsere Teilnahme natürlich riesig!!!
Und
es war auch ein großartiges Turnier!
Eines von der Sorte die man so schnell nicht vergisst… aus vielerlei
Gründen!
Samstag
- Teamwettbewerb
So
machte ich mich also Samstagmorgen um 6.00 Uhr auf den Weg nach Hockenheim.
Im Radio lief übrigens an beiden Tagen: Dieses
Lied - ein
genialer Song, der direkt für gute Laune und Motivation sorgt. 
Im
Mannschaftswettbewerb traten wir mit unserm Team namens "Die
Kiii-Fiii-Nii-Chii's" an.
Und
auch wenn wir nicht gewonnen haben - ich finde wir hatten den besten Namen.

Unsere Teammitglieder waren:
Melanie
Clerc mit Kira (Small)
Kerstin Misch mit Nico (Small)
Kirsten
Hankemeier mit Finn (Medium)
In
der Vorrunde lieferten Melanie und Kirsten zwei tolle Nuller ab. Kerstin
lief mit etwas Pech ins DIS.
Chi und ich… nun ja es wäre EIGENTLICH auch ein Nuller gewesen
- hätte ich nicht mal wieder so einen dämlichen Fehler gemacht,
ein Fehler von der Sorte, die einem GRUNDSÄTZLICH nur bei wichtigen
Turnieren passieren: Wir waren fehlerfrei unterwegs bis zum letzten Hindernis.
Es ging nur noch aus dem Tunnel und über die Zielhürde, doch
statt Chi ordentlich am Tunnel abzuholen war ich zwei Schritte zu weit
vor, sie sah mich nicht als sie aus dem Tunnel kam, suchte mich - und
schwupps war sie wieder im Tunnel…

Ohne
diesen Fehler meinerseits wären wir in jedem Fall für die zweite
Runde qualifiziert gewesen… Nun ja, glücklicherweise hatte
ich nette Teammitglieder die mir nicht den Kopf abschlugen dafür
(soll ja nicht in jedem Team immer so nett zugehen, hab ich gehört
)
Jedenfalls
mussten wir dadurch natürlich in den Hoffnungslauf oder besser gesagt
die Trostrunde. Hier haben alle die in der Vorrunde ausgeschieden sind,
noch einmal die Chance sich doch noch für die zweite Runde zu qualifizieren
- sofern man es schafft Erster zu werden…
Im
Hoffnungslauf lieferten Chi und ich wieder einen guten Lauf ab, leider
leider fiel aber eine Stange. Die Ergebnisse der anderen weiß ich
leider gar nicht mehr alle. Bitte um Nachsicht.
In
jedem Fall waren es keine drei Nuller. Damit war der Mannschaftswettbewerb
leider
früh für uns beendet…
Etwas schuldig fühlte ich mich natürlich weil ich durch meine
Dummheit den sicheren Einzug in die zweite Runde zunichte gemacht habe…
Andererseits ist man ja eben nicht allein in der Mannschaft, zum Glück...
Obwohl
unsere Läufe sonst wirklich ganz gut waren konnte es am zweiten Tag
also (nur) noch besser werden.
Sonntag
- Einzelwettbewerb:
Wieder
quälte ich mich um 5.30 Uhr aus dem Bett… Einfach grauenhaft
- und eigentlich unglaublich, dass man trotz solcher Umstände in
der Lage ist, noch ordentliche Leistungen abzuliefern. 
Nach
dem feierlichen Einmarsch - übrigens mal wieder zur Musik von "Fluch
der Karibik", denn das lieben die Veranstalter von Agi-Großveranstaltungen.
Bei unserer Bundessiegerprüfung lief es auch schon beim Ein- und
Ausmarsch. Aber es sorgt auch wirklich für eine feierliche und leicht
dramatische Atmosphäre.
Wir
begannen mit dem A-Lauf:
Der Parcours von Petra Hahn hatte einige extrem knackige Stellen. Dennoch
war ich nach einigem Hin- und Her dann doch recht sicher wie ich führen
wollte. Immer im Hinterkopf hatte ich natürlich die Kontaktzonen
von A-Wand und Steg… Natürlich würde ich Chi stark kontrollieren
müssen - ABER: Hier würde ich sie nicht warten und stehen lassen,
denn bei dem Starterfeld kann man sich einfach nicht erlauben massenweise
Sekunden hängen zu lassen. Schon gaaaar nicht wenn man einen Cocker
führt
der
nicht so leicht über den Teppichboden gleitet wie die flitzigen Shelties.
Als
es an den Start ging war ich hoch motiviert - Chi auch :
wie
immer war sie etwas zappelig beim Absetzen, aber sie blieb brav. Wir begannen
gut, die A-Wand-Zone relativ am Anfang klappte so wie ich es mir vorgestellt
hab, das Ausstellen an den Hindernissen gut, die Wechsel - alles lief
prima… dann war ich plötzlich kurz vor Schluss immer noch fehlerfrei…
Als Chi auf den Steg lief (3. letztes Gerät) setzte mein Herz vor
lauter Aufregung fast aus… Ich bekam kaum noch Luft, rief nur noch
"TACK TACK", sie ging in die Zone, ich löste auf, es kam
nur noch Doppelsprung und die Zielhürde. "LAUF LAUF LAUF!"
und ich rannte, taumelte mehr ins Ziel als ich lief… NEIN: Ich übertreibe
nicht: Ich war kurz vorm Umfallen, bekam kaum noch Luft als wir im Ziel
waren, musste ich mich erstmal erschöpft auf den Boden setzen. Sowas
hab ich echt noch nicht erlebt: Kurz vor der Ohnmacht, aber soooooo glücklich.
Es ist schwer zu beschreiben was man fühlt, wenn man nach sooo langer
Durstrecke, einer ziemlich schlechten Saison und reihenweise "Nicht-Nullern"
bei allen Großveranstaltungen des Jahres (!!!), wenn man es dann
mal schafft einen Nuller vor so einer Kulisse heimzulaufen…
Jedenfalls
schafften Chi und ich es mit dem Lauf auf einen für uns tollen 7.
Platz (von 49 Teilnehmern).

Hier ein Auszug aus der Liste:

Aber: Das sorgte natürlich sofort wieder für Bauchkribbeln,
denn: ein solch guter Platz im 1. Lauf bedeutet: Es ist - theoretisch
- noch ALLES drin… Denn: die sechs vor einem müssen auch erstmal
den zweiten Lauf heimbringen und wie schnell in diesem Sport aus einem
fehlerfreien Lauf ein DIS wird… nun ja das wissen wir alle…
Der
Jumping - oder die Rebellion der "Zwerge" ;-)
Als
der Jumping aufgebaut wurde, war meine Anspannung also wie gesagt riesig.
Allerdings wurde ich zumindest kurzzeitig von meiner Aufregung abgelenkt,
denn es gab ein anderes "Problem": Den Parcours. Kaum dass er
von der Richterin nummeriert war, brach eine Art Tumult unter den Medium-Startern
los.
Die Ursache: Der Reifen war, ich nenne es mal "höchst unglücklich"
platziert:
Und zwar aus 2 Gründen:
1. Er wurde vollkommen schräg angelaufen, fast aus einem 180-Grad-Winkel
2.
Nach dem Reifen folgte wieder eine 180-Grad-Wendung
Sowohl
der Anlauf als auch die Landung waren also für die Hunde höchst
gefährlich, erst recht da das Gestell des Reifens Metallfüße
auf dem Boden hatte, auf denen die Hunde bei ihrer Landung/Wendung mit
den Pfoten aufgesetzt hätten!!! Zudem natürlich das Risiko des
schrägen Anlaufs und des Hängenbleibens bei einem ohnehin schon
gefährlichen Gerät…
Einige
Starter versuchten den beiden Richterinnen diese Gefahr deutlich zu machen.
Zudem wurde darauf hingewiesen, dass der Reifen laut Reglement so zu stellen
ist, dass er gerade angelaufen wird, was hier nunmal nicht der Fall war....
Leider zunächst ohne Erfolg. Man wollte den Reifen nicht rausnehmen
oder den Parcours anpassen.
Und dann passierte etwas in meinen Augen Unglaubliches:
Als der Ansager den Parcours für die Begehung freigab,
blieben ALLE 50 Starter der Medium-Klasse wie angewurzelt vorne stehen,
keiner betrat den Parcours. Wir streikten. Diesen Parcours würden
wir nicht laufen!
Die Uhr tickte und tickte, es vergingen 15 Minuten, noch immer rührte
sich keiner von uns.
Stattdessen erneute Versuche eines einzelnen, sehr bekannten Agilitysportlers
nochmal mit den Richterinnen zu reden. Es dauerte und dauerte...
Doch irgendwann gaben sie nach: Der Reifen wurde durch eine Hürde
ersetzt! Die Verletzungsgefahr war somit beseitigt. 
Es
konnte endlich ans Sportliche gehen!!!
Start
mit Gänsehautcharakter
Wie schon erwähnt war meine Ausgangslage für den zweiten Lauf
ziemlich gut. Das bedeutet natürlich, dass die Anspannung natürlich
riesig ist... Aber auch die Motivation.
Es
ist ein unglaublich geniales Gefühl wenn man draußen vor der
Halle wartet, hört das Publikum, die Musik.
Dann die Ansage: "Jetzt kommen wir zu den TOP TEN des ersten Laufes"...
Einfach WOW...
Dann wird man hereingerufen, hat nur noch vier Starter vor sich. Es bleibt
gerade noch Zeit den Hund ein paar Mal einspringen zu lassen. Dann geht
man in den Startbereich. Wird angesagt. "Mit der Startnummer 88,
die Siebten aus dem A-Lauf…"
Ab da hörte ich wie üblich nichts mehr. Nur noch ein Blick zur
Richterin wegen der Freigabe, dann Hund hingesetzt, los geht's! Der kniffelige
Anfang lief prima, doch leider ereilte uns an einer anderen Stelle die
DIS… Mein Timing und die Körpersprache stimmten nicht... schade
schade.. so schnell ist es vorbei. Wir liefen den Lauf aber noch ordentlich
heim, der Rest war schön, hat alles gut geklappt. Tja, hätte
klappen können. 

Insgesamt
war ich sehr zufrieden. Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen.
Wobei
ein Grund dafür natürlich auch darin liegt, dass wir auch mit
einem Nuller im Jumping am Ende in der Gesamtwertung nicht platziert gewesen
wären. Da von den sechs vor mir Platzierten, vier Leute einen Nuller
liefen. D.h. wir wären mit einem Nuller vermutlich Fünfte geworden.
Wäre natürlich schon toll gewesen, aber es ist kein Drama, anders
hätte ich mich mehr geärgert. 
Abseits
des eigentlichen Sports...
Fazit wie gesagt: Eine tolle Veranstaltung mit Gänsehautcharakter...
Einfach klasse!
Mit unserer eigenen Leistung war ich super zufrieden, klar hätte
es mehr sein können, aber wir haben uns "gut präsentiert"
(so wurde es uns zumindest gesagt )
Und ich selbst habe mein persönliches Ziel mehr als erreicht. 
Die Geschichte mit der Rebellion war in meinen Augen faszinierend... zu
sehen wie ein "Mob" von 50 Startern zusammenhält! In diesem
Moment ging es mal nicht um Sport, es ging um die Gesundheit der Hunde!
Natürlich ist sowas für eine Richterin eine unangenehme Situation,
aber ich denke solche Aktionen tragen dazu bei, diesen Sport sicherer
für unsere Hunde zu machen. Niemand hat Angst vor schweren Parcours,
aber sehr wohl davor, dass sich ein Hund eine schwere Verletzung zuzieht!
Ich hoffe die Richterin, die sich den Parcours ausgedacht hat, nimmt es
nicht persönlich.
Allerdings
fand ich es schade, dass der Rest der Veranstaltung davon etwas "getrübt"
war... Bei der Siegerehrung gingen die Richterinnen nicht wie sonst üblich
vorne am Podest vorbei und gratulierten den Gewinnern... noch nicht mal
bei den Larges (die ja nun nichts mit der "Rebellion" zu tun
hatten)... Das fand ich schon schade...
Abseits
der Classics - Gedanken zu unserer sportlichen Zukunft...
Ich
sagte ja bereits vor den Classics, dass dies wohl vorerst die letzte Agility-Großveranstaltung
für uns werden wird. An diesem Wochenende ist mein Entschluss nochmal
gefestigt worden. Chiara und ich werden nächstes Jahr definitiv keine
WM-Qualis gehen und auch nicht den Wettlauf um die VDH DM mit sämtlichen
Vor-Turnieren antreten. Vielleicht suchen wir uns andere nette Turniere,
vielleicht auch nicht. Wir werden sehen...
Die Gründe dafür sind vielfältig... zum einen der Stress,
die fehlende Freizeit, der Job (für den man auch mal gelegentlich
Regeneration an den Wochenenden braucht), das Geld das hängen bleibt,
zu wenig Zeit für Freund und Umfeld, zu wenig Zeit für alternative
Freizeitgestaltung... etc.pp. Die Liste der "nichtagilitybezogenen"
Gründe ist lang!
Aber es gibt auch Gründe die direkt mit dem Agility zusammenhängen:
Die Entwicklung des Sports und der Qualireglungen allgemein, die immer
höher werdende Belastung für den Hund, die Einstellung zum Tier
generell - und: unsportliche Verhaltensweisen, menschliche Verfehlungen
vieler Sportler...
Es ist schon erstaunlich... Ich habe Chi und mich nie als echte Konkurrenz
für die "Profis" in diesem Sport betrachtet. Hey - wir
sind Hobby-Hüpfer, Chi ist ein Cocker Spaniel und kein Rennpferd,
äh Hund... Nun ja, trotzdem sind auch wir nicht gefeit vor unschönen
Dingen...
Es gibt tatsächlich Menschen in diesem Sport, die bewusst anderen
Menschen einen Start verhageln, der ihnen schrecklich wichtig ist. Einfach
weil sie dazu in der Lage sind, weil sie damit durchkommen ohne Konsequenzen
fürchten zu müssen. (Nein, es geht hier nicht um die GC)
Auch wenn man gar nicht in der allerobersten Liga mitläuft, bekommt
man Missgunst an allen Ecken und Enden mit - nur dass sie einem nie offen
begegnet... Gruselig wie viele Menschen einem an so einem Turniertag ins
Gesicht lachen, nette Dinge sagen - und wie wenige es ehrlich meinen...
Okay man könnte jetzt sagen: Das ist im normalen Leben, abseits vom
Agi, auch oft so. Stimmt ja auch, aber ganz ehrlich: Muss ich mich damit
auch noch in meiner Freizeit "belasten"?
P.S.: Nicht dass hier der Eindruck entsteht die "menschlichen"
Gründe hätten mich dazu bewogen, den Sport zurückzuschrauben.
Nein, es sind tatsächlich die o.a. "nichtagilitybezogenen"
Gründe. Letztgenannte menschliche Verfehlungen sorgen lediglich dafür,
dass mir der Abschied nicht so schwer fällt, wie ich immer dachte...
Und hey? Wer weiß, vielleicht schreibe ich eines Tages ein Buch
über all meine Erfahrungen in der Agi-Szene... einen Titel habe ich
schon:
"Über einen Sport den niemand kennt mit Menschen die niemand
kennt"

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